Schattenwechsel für Streichtrio (2010) by Albert Breier published on 2024-08-18T05:40:48Z Das Licht, wenn es wechselt, zieht die Aufmerksamkeit so sehr auf sich, daß der sich im gleichen Maße vollziehende Wechsel des Schattens meist unbemerkt bleibt. In der Stille – dem Dunkel – wirkt schon das leiseste Geräusch wie ein Lichtpunkt, so auch jeder erklingende Ton der Musik. Dennoch kennt das musikalische Geschehen die verschiedensten Schattenwirkungen: etwa, wenn einem Klang ein Echo folgt, oder wenn die Stille plötzlich formbar wird und mit der Helligkeit der Töne in einen vielfältigen Dialog tritt. Die große Modulationsfähigkeit des Streichertons ermöglicht Schattenwirkungen durch Veränderungen der Klangfarben und der Spielweisen. Zudem erscheint der Kontrast der hohen und tiefen Lagen, der lauten und leisen Töne als unerschöpfliches Reservoir zum Aufbau einer aus Licht und Schatten gemischten Klangwelt. Das Streichtrio als Gattung hatte im Lauf seiner Geschichte oft mit dem Vorwurf einer gewissen Dünnheit, einer Unvollständigkeit gegenüber dem klanglich in sich ruhenden Streichquartett zu kämpfen. Wenn man beginnt, die Eigenmacht der Stille und der Schatten wahrzunehmen, wandelt sich der scheinbare Nachteil in einen Vorteil: der unsichtbare vierte Spieler im Streichtrio ist die – hörbare – Abwesenheit des Klangs, durch die das klingende Licht erst seine scharfen Konturen erhält, in einer Weise, wie es die Unterstützung durch real Tönendes nicht bewerkstelligen könnte. Die Komposition Schattenwechsel stellt sich äußerlich dar als eine sehr allmähliche und öfter unterbrochene Aufwärtsbewegung aus den tiefsten Klangregionen hin zu ätherischen Bereichen. Die Spur des Lichts hat jedoch die verschiedensten Schattenlinien und -zonen als ständige Begleiter, und so wirkt der Verlauf weniger wie ein zum Hellen gerichteter Weg als wie eine gradweise Enthüllung eines großen, aus Licht- und Schattengebieten zusammengesetzten Landschaftspanoramas. Genre Classical