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War in den späten Achtzigern Süddeutschland eines der Zentren des deutschen Hardcores, verschob sich das in den 1990ern immer mehr in den Norden. Wer damals Hardcore sagte, dachte an Bands aus Bremen oder Hamburg. In Hamburg liesse sich dies sogar noch weiter einschränken - auf ein Proberaumzentrum am Borstelmannsweg, nahe der Ausfallstraße zur A1. Für einen kurzen Augenblick, für ein paar Jahre im vorigen Jahrtausend, befand sich hier ein Ground Zero des deutschen Hardcore, trafen hier ein paar großartige Menschen mit ihren Bands zusammen - Lebensreform, Linsay und Loxiran.Wir wollen hier nicht groß über eine Szene schreiben. Man könnte den Begriff “Northcore” in den Ring werfen, aber zum einen war der nur geklaut aus Schweden, zum anderen war das auch nur ein “Marketinggag”. Eine Philosophie steckte nicht dahinter. “Wir waren einfach nur ein großer Kreis an Personen, die sich zur selben Zeit am annähernd selben Ort befanden”, sagen die Beteiligten rückblickend. Und: “Wir waren nicht so sehr an ‘der Szene’ interessiert, sondern ‘am Leben’.” Die Bands würden sich bestimmt auch wehren, wenn man hier die damals so populär gewordene Hamburger Musikszene als Vergleich einwirft. Dies passt so ganz und gar nicht, selbst wenn es durchaus Berührungspunkte gibt - nicht zuletzt der besagte Borstelmannsweg, wo man sich den Proberaum zuletzt auch mit Tomte teilte.
Aber reden wir lieber über die Bands, über Lebensreform, Linsay und Loxiran. Sie alle entstanden 1996, alle lösten sich noch vor der Jahrtausendwende auf - Lebensreform und Loxiran 1998, Linsay ein Jahr später.Dazwischen gab es eine Vielzahl an Veröffentlichungen. Lebensreform brachten es auf zwei Singles, zwei Splits und einem Rehearsal-Tape, die Band tourte mit Catharsis, Gehenna, Rye Coalition und alleine. Loxiran machte ein Demo, eine 7” und eine 10” sowie diverse Sample-Beiträge. Und Linsay veröffentlichten neben einer eigenen Single noch vier Splits und einen Sampler-Beitrag.
Das alles ist hier veröffentlicht - und zwar selbstverständlich auf Audiolith, das von Ex-Linsay-Mitglied Lars Lewerenz betrieben wird - und zeigt, wie wichtig diese Phase für den deutschen Hardcore war - trotz der kurzen Lebensdauer. Großartige Gründe gab es für die Auflösung der drei Bands damals nicht. Eben weil man mehr am Leben interessiert war, entwickelten sich die Gruppen auseinander. Aber jetzt wird es Zeit, diese Zeit neu zu betrachten. Warum jetzt? Man ist weit genug entfernt von den den Auflösungen und stinkenden Revival-Dünkeln. Fünfzehn Jahre später sind alle Wege bereitet oder schon gegangen, Vergangenheit bleibt da wo sie ist, Zukunft ist jetzt. Bande bestehen, auf anderen Ebenen, Kontakte sind wohltuend gegenwärtig. Eine Generation von Kids lebt mit dem Digitalen wie täglich Brot, und die Verfügbarkeit im virtuellen Raum ist ein logischer Schritt der Konservierung für Jetzt&Dann. Lars, DAS Audiolith: “Ausserdem ist das unsere Vergangengheit…und es ging auch darum es einfach erhältlich zu machen”
Dig it!
Linsay:
1998 s/t (Per Koro Records, 1998, Vinyl only)
1998 Split 7" (with The Cole Quintet auf Paracelsius, PicVinyl only)
1999 Split 7" (with Enfold auf Per Koro Records, 1999, Vinyl only)
1999 Split 7" (with Stickfigurecarousel Dim Mak Records, Vinyl only)
Split 7" Sampler (with Deamons Jaded Passion, Springwater auf Blackwood Records 1999 Vinyl only)
Seed Of The Next Season LP (Sampler auf Per Koro Records / Alveran Records 1999)
Besetzung: Jan Elbeshausen, Jochen Schütt, Lars Lewerenz, Niels Abele, Oliver Koch
- Genre
- Hardcore Punk