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Interview mit Professor Lutz Becker von der Karlshochschule. Musikmanager, Tourismus-Anbieter, Videotheken-Besitzer, Verleger oder Taxizentralen behaupten solche Abwehrargumente nicht mehr: Die von Apple-Gründer Steve Jobs geschaffene App-Economy pflügt derzeitig eine Vielzahl von Branchen um. Der iPhone-Marktstart am 9. Januar 2007 wird nach Ansicht von Professor Lutz Becker als Beginn einer neuen disruptiven Innovationswelle in die Technologie-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte eingehen: „Mit dem iPhone kamen die Apps. Glaubt man den Prognosen von Forrester Research, wird das kombinierte Geschäft für mobile Anwendungen, Services und Business-Management im Jahr 2015 ein Volumen von knapp 55 Milliarden US-Dollar erreichen“, schreibt Becker gemeinsam mit Friederike Schmitz in dem Sammelband Informationsmanagement 2.0 (im symposion-Verlag erschienen).
Das App-Prinzip wirbelt die Kräfteverhältnisse von etablierten Wirtschaftsgrößen kräftig durcheinander, etwa die Personenbeförderung: „Drückt man einen Knopf auf meinem iPhone, fährt einige Minuten später ein Taxi vor – eine Entwicklung, diese Voraussage darf man wagen, die die Branche auf Dauer verändern und zu Konzentrationsprozessen führen wird“, erläutert Becker, der an der Karlshochschule in Karlsruhe lehrt. Entscheidend ist die Kombinatorik von unterschiedlichen Diensten, die der Kundenservice des analogen Zeitalters so nicht vornehmen konnte. „GPS, Apps und andere Gadgets machen Geschäftsmodelle möglich, die die bestehenden Paradigmen nicht nur in Bezug auf Markt und Wettbewerb, sondern auch auf Wertketten und Organisation im Unternehmen über den Haufen werfen – und wir stehen erst ganz am Anfang“, betont Becker. Wichtig ist vor allen Dingen die Immaterialität, mit der bestehende Grenzen eingerissen werden. Warum soll ich denn noch in die Videothek marschieren, um mir eine DVD auszuleihen, wenn die Apple-TV-Box am Fernseher alles Nötige bietet und sogar über das bestehende Angebot hinaus geht – wie Vorschau, Suchfunktionen oder längere Mietzeit. Die App-Economy, so Becker, lässt traditionelle Industrieprodukte und Dienstleistungen smart werden. Das Interview ist Grundlage für meine nächste Kolumne. Meinungen zu den Thesen von Becker? Dann per Mail schicken an: gunnareriksohn@gmail.com
- gsohn
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- heikesimmet
heikesimmet on July 08, 2012 14:39
Die derzeit zu beobachtbaren Innovationsschübe durch die sich rasant entwickelnde App Economy stellen lediglich einen ersten wichtigen Schritt in Richtung einer zunehmend digital-vernetzten Welt mit neuen Geschäftsmodellen und jederzeit mobil verfügbaren Services für den Kunden dar. Der nächste Entwicklungsschritt zeichnet sich bereits deutlich ab: Durch die deutlich an Fahrt gewinnende Verbreitung von QR-Codes und künftig auch immer stärker RFID-Technologien wird eine digital verfügbare Erweiterte Realität, die so genannte Augmented Reality, auf breiter Ebene marktreif. Damit steht der Dienstleistungssektor vor dem nächsten technologischen Umbruch. Unternehmen, die sich auf die Schnelligkeit dieser Entwicklungen nicht einstellen und bei ihren klassischen Geschäftsmodellen verharren, haben in Zukunft kaum noch Überlebenschancen.
- gsohn
gsohn on July 08, 2012 13:15
Das ist wohl so und wird auch die Spreu vom Weizen trennen. Bin gespannt, welche deutschen Unternehmen das zu erst begreifen.
- Helfried Schmidt
Helfried Schmidt on July 08, 2012 12:59
Die App-Ökonomie wird das Verhältnis von Stakeholdern und Shareholdern weiter umkehren. Künftig dominieren Menschen am Markt gegenüber dem Kapital. Wir gehen auf eine Möglichkeitsökonomie zu, in der der Kunde nicht mehr "betroffener" Verbraucher ist (der vom Staat vor Willkür geschützt werden muss), sondern ein in seinen Möglichkeiten "entfalteter" Bürger. Die App-Ökonomie fördert die Persönlichkeits- und Freiheitsentfaltung des Menschen wie nie zuvor. http://www.kompetenznetz-mittelstand.de/blogs/app-oekonomie-als-chancengenerator
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